Design

THE GREAT small: Gender Design Conference 2014 Hong Kong

International Gender Design Network

The international Gender Design Network (iGDN), an organization consisting of design practitioners and design scholars around the world, is set to hold its second annual conference in Hong Kong on 10 & 11 October 2014. With the aim of facilitating exchange and critical discussion on the topic of gender and design, the conference will explore questions of gender awareness in design disciplines and practice. The conference targets designers, researchers, and members of the public worldwide.

The GREAT small Gender Design Conference will examine how gender is implicitly embedded in both our designed environments and design practices by using interdisciplinary approaches. Participants will share insights on how designers can tackle social responsibility and can empower consumers, audiences, and users in their interaction with one another. In hopes of transcending the binary thinking and essentialism prevalent in the design tradition, the conference will feature keynote speeches, roundtables, and workshops, thus shedding light on the multiple and fluid options located at the interface between gendering and designing, and on what the future holds for innovation, research, and practice.

Signore e Signori, benvenuti…

Signore e Signori

Signore e Signori

Selbstgebastelte Collage für die Beschriftung von Toiletten in einem Restaurant in Norditalien. Ach, wie schön. Willkommen in Italien.

Victoria’s secret

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Anti rape force

Die beiden Frauen Rebecca Nagle und Hannah Brancato, Gründerinnen von  Pink Consent,  hacken die PR-Strategie von Victoria’s Secret:

„Then we loved styles that were all about rape culture. Now we love styles that are all about consent! Catch the changes hitting stores this holiday season.“

'No Means No' underwear

‚No Means No‘ underwear

Victoria's Secret Fashion show 2012

Victoria’s Secret Fashion show 2012

Pink loves consent website

Pink loves consent website

„Why does PINK love CONSENT? Because PINK loves pleasure. And PINK loves power. And we believe that sex should be empowering and pleasurable for all people! On top of stopping you from having great sex, not communicating can lead to unwanted sexual experiences.“

No Vagina is a sure thing! Ask first!

No Vagina is a sure thing! Ask first!

Anti rape force

Anti rape force

 

Welche Vorteile haben gemischte Teams?

Valérie Vuillerat ist Geschäftsführerin der Ginetta GmbH. Sie spricht an den Zürcher CreativeMornings (monatlich stattfindende Vorträge in Unternehmen der Kreativwirtschaft bei Frühstückskaffee und Gipfeli) über ihre Erfahrungen mit gemischten Teams (gemeint sind Frauen mischen sich mit Männern) in der Arbeitswelt. Es geht hauptsächlich um das Arbeitsverhältnis, die Atmosphäre sowie die Ansprüche der Mitarbeitenden in ihrem Unternehmen. Im Vortrag werden die üblichen Klischees reproduziert: Frauen lieben Ordnung, Sauberkeit, intime Gespräche und Zalando, unter Frauen finden catfights statt, Frauen streben Harmonie und Konfliktlösungen an, Männer hingegen kommunizieren nicht und arbeiten mit der aggressiven Ellbogentechnik, um sich Führungspositionen zu erkämpfen. Es zeigt sich in der anschliessenden Gesprächsrunde das übliche Problem, dass Frauen eben so sind und Männer eben so sind. Die unterschiedlichen Verhaltensweisen werden entsprechend verglichen und bewertet.

Zum Glück melden sich bald ein paar Menschen aus dem Publikum zu Wort, die wichtige Unterscheidungen treffen: Warum ist Aggression bei Männern positiv und bei Frauen negativ konnotiert? Wie steht es mit kulturellen Unterschieden im Team? Sprechen wir über das männerdominierte Feld der Programmierkunst oder den frauendominierten Berufszweig der Kinderbetreuung? Diese kritischen Sichtweisen eröffnen sofort das weite, komplexe Feld des Geschlechterverhältnisses. Die stattfindende Diskussion wird interessanter. Sie lässt viel offen, aber sie gibt einen sehr wichtigen Impuls für ein kritischeres Weiterdenken. Schön ist auch, dass das Thema ernsthaft diskutiert wird. Der Austausch über das Thema findet bei Tageslicht in einem Unternehmen im up-and-coming Zürcher Kreis 4 statt (lese: up, up, up) – und eben nicht bei einem unterirdischen Kaffeekränzchen von Weltverbessernden oder im dunklen Flur zwischen zwei unglücklichen Mitarbeitenden.

Gloria freut sich riesig, dass Valérie Vuillerat diesen Vortrag gehalten hat. Auch wenn ihr undifferenziertes Sprechen über Männer und Frauen viele Angriffsflächen bietet (gewusst wie, können diese im Gespräch leicht vermieden oder umgangen werden), trägt sie wertvolle zukunftsweisende Ideen in die Arbeitswelt hinaus. Sie spricht von den Vorteilen unterschiedlicher Erfahrungen und Ideen für das Unternehmen. Es fallen wohlklingende Konzepte wie „selbstverständliche Lohngleichheit“ und das unbedingte Möglichsein der Vereinbarung von Job, Weiterbildung und Familie. Kurzum: Es lohnt sich für alle Progressiven, das oben verlinkte Video anzusehen.

Go, Ginetta, Go – auf zu neuen Horizonten!

Weiber Design aus Polen

Eine nette kleine Ausstellung mit Designideen aus Polen im Turm des Schlosses Rapperswil. Zuerst musst du durch 5 Räume polnische Kriegsgeschichte und bei eisernen Kruzifixen vorbei, bevor du unter den Augen des Papstes den Turm voll mit zeitgenössischen Ideen von polnischen Designerinnen erklimmst.

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Bergsteigerinnen benutzen Silikontassen

Mit Schrecken habe ich kürzlich in einer österreichischen Tageszeitung gelesen, dass zur Zeit eine der grössten Plastikmüllinseln, die in unseren Ozeanen schwimmen, 16 Mal so gross wie die Gesamtfläche des Staates Österreich ist. In einer schwimmenden Insel von (in meinem Kopf gerechnet) ca. 1 Million Quadratkilometer möchte ich mich nicht verheddern. In meiner Vorstellung ergibt das eine Landschaft aus bunten Flaschen, Schächtelchen, Legosteinen und grösseren Containern, die durch ein Wirrwarr aus Schnüren und Bändern zusammengehalten wird.

Die Grösse dieser Ansammlung empfinde ich als viel bedrohlicher als die Beschaffenheit. Ich interessiere mich für den Schutz unseres Planeten und möchte deshalb auf diesen klitzekleinen Beitrag zur Verringerung von Müll hinweisen: Frau nehme einmal pro Monat eine Silikontasse namens Moon Cup oder Diva Cup zur Hand, um die monatliche Blutung effizient zu sammeln -anstatt die Müllinsel mit einem Berg von weggeworfenen Tampons und Binden zu verdichten. Ich habe meine Moon Cup vor 4 Jahren gekauft. Ich sterilisiere sie montalich in kochendem Wasser und sie ist sehr gut erhalten. Die einmalige Investition von ca. 30 Euro hat sich bewährt. Für Tampons und Binden hätte ich viel mehr ausgegeben.

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In einem „Outdoor“-Geschäft gesichtet: Diva Cup

Diese Produkt habe ich zufällig in einem „Outdoor“-Geschäft neben Moskitoschutzsprays, Reisezahnbürsten und urinating tubes for women gesehen. Ich habe mich deshalb sehr gefreut, weil ich diese Alternativen zu den gewöhnlichen Produkten für die Monatsblutung viel zu selten – genauer: nie – im Verkauf angeboten sehe. Give them a chance! Es macht das Leben so viel einfacher. No strings attached…

Noch Fragen?

Dieser Tampon vs Moon Cup Rap Battle klärt auf:

  • 22 tampons vs 1 moon cup
  • landfills vs tree huggers‘ new age non-sense
  • vaginal dryness vs menstrual flow

 

Mad feminism?

Soviel cleveres Nachdenken über die Rolle der „mad men“ und „mad women“ (die Protagonistinnen stehen in der sechsten Staffel kurz vor den revolutionären Tagen der zweiten Welle des Feminismus) in der amerikanischen TV-Serie Mad Men ist mir letztens beim Durchblättern des Magazins Du begegnet! Die Theaterkritikerin und Journalistin Eva Behrendt gibt den wichtigen Hinweis, dass historische Erzählungen letztendlich immer von der Gegenwart und ihren Wünschen handeln. Sie meint in ihrem Artikel zum Beispiel, dass „die politische Korrektheit“ unserer Gesellschaft in der Darstellung des tabulosen Besaufens, selbstverständlichen Kettenrauchens und Sexismus in Mad Men „eine Auszeit“ nimmt.

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Magazin im Kaffee gefunden (im Cafe Sport, dort gibts den besten Espresso von Zürich)

Das entwürdigende Verhalten der mad men gegenüber den women sowie erotische Stimulanzen wie die „dicht beharrte Brust von Jon Hamm und die sagenhafte Eieruhr-Taille von Christina Hendricks“ nehmen, so Behrent, eine „Entlastungsfunktion“ ein, in dem sie die Geschlechterrollen so verteilen, wie es sich konservative Menschen wünschen. „Der Ganze Gender und Queerness-Hype der letzten Jahre macht endlich mal Pause, Zeit zum Durchatmen.“ Für Menschen, die sich für Feminismus interessieren, hat die Serie zu bieten, dass die „Revolution“ noch kommen wird und somit Hoffnung auf die Erlösung von diesem Albtraum, den Behrendt als „designten Verkaufstraum“ beschreibt (hochwertiges Teakholz, feine Spitzenmieder, moderne Architektur), besteht. Dass sich das Davor und Danach der „Revolution“ leider zu sehr ähneln wird in diesem Artikel mit einem Verweis auf die Autorinnen Elisabeth Badinter und Bascha Mika beklagt, die über „die Feigheit der Frauen“ von heute anschreiben.

Danke für den guten Artikel, Eva Behrendt.

Revolution + Restauration = Mad Feminism?

Revolution + Restauration = Mad Feminism?

Gloria hat sich auch von Mad Men verführen lassen und beinahe alle Staffeln gesehen! Die Ästhetik der Bilder und die gute Recherche zu den Möbeln, Accessoires, Sprechweisen und Werten der 1960/70er sind sicherlich Gründe für meine Begeisterung. Das asymmetrische Geschlechterverhältnis verliert meiner Meinung nach durch diese Stilisierung auf wundersame ihre Realität – und Brutalität.

Die Blonde

Die Blonde

Die Brünette

Die Brünette

Die Rote

Die Rote

Zur bipolaren Objektgestaltung

Soviel blauer Müll, soviel rosa Müll füllt die Spielzimmer der Jüngsten und nimmt ihnen jede Chance, das ganze frohe Farbspektrum dieses Planeten zu erkunden. Und dann müssen wir in der Zeitschrift für Gestaltung (Zett, Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste) der renommiertesten Kunsthochschule der Schweiz lesen, dass genderspezifisch gestaltete Objekte für die „„Orientierung“ im Alltag durchaus nützlich und wichtig“ sind? Diese These gilt zumindest laut Prof. Michael Krohn, den Leiter des Studiengangs Master of Arts in Design, für erwachsene Frauen und Männer, die aufgrund ihrer „unterschiedlichen Bedürfnisse“ und „Fähigkeiten“ bestimmte „Ansprüche“ an die Objektwelt stellen. Das sei Tatsache, so der Autor. Dass Frauen weiche, helle Kurven und Männer harte und dunkle Ecken bevorzugen, wird in dem Artikel nicht weiter hinterfragt, sondern als kulturelle Gegebenheit analysiert.

"Weibliche Sphäre" des Rasters zur Beurteilung der Gender-Bedeutung von ausgewählten Objekten

"Weibliche Sphäre" des Rasters zur Beurteilung der Gender-Bedeutung von ausgewählten Objekten

Problematisch finde ich auch die These, dass ein klares Erkennen von Gender Codes einem „subtilen, unterschwelligen“ Erkennen von Zeichen zwecks „besserer Wahrnehmung“ vorzuziehen sei. Überspitzt gesagt: Kann ich Objekte, die weder rosa noch blau, sind, schwer wahrnehmen? Sind wir schon so weit? Worum geht es eigentlich bei der bipolaren Gestaltung? Spontan würde ich sagen um „Produktzwiefalt“ – und nicht um ein „besseres“ Lesen unserer Umwelt. Durch die bipolare Gestaltung verarmt die Dingwelt. Wenn sich alle Objekte an den bipolaren Design-Extremen von „männlich“ und „weiblich“ ansiedeln müssen, dann lassen wir ein grosses Feld von Gestaltungsmöglichkeiten brach liegen.
"Männliche Sphäre" des Rasters zur Beurteilung der Gender-Bedeutung von ausgewählten Objekten

"Männliche Sphäre" des Rasters zur Beurteilung der Gender-Bedeutung von ausgewählten Objekten

Meiner Ansicht nach hätte sich der Autor mit seinen eingangs gestellten Fragen, die er nicht weiter verfolgt, tiefgehender beschäftigen sollen. So hält er zum Beispiel eingangs fest, dass bipolare Gegensätze (männlich/weiblich) in der Gestaltung von Produkten „immer wieder von Neuem bedient und damit weiter gefestigt“ werden. Er sieht die Möglichkeit der Alternative, in einer „(fast) emanzipierten Gesellschaft“ das Design von genderspezifisch gestalteten Objekten aufzugeben. Ich denke, diese Einsicht würde interessante Sichtweisen aufwerfen, die der Pluralität unserer Konsumgesellschaft wirklich Rechnung tragen könnte. Der Autor beginnt jedoch den darauffolgenden Satz mit der Behauptung „Tatsache ist“ und fährt damit fort, „dass Frauen und Männer einen geschlechtsspezifisch geprägten Zugang zur Wahrnehmung und Interpretation von Gegenständen haben“. Mit dieser biologistischen Argumentationslinie begibt er sich wieder in den Zirkel des bipolaren Geschlechterunterschieds, der sich immer wieder reproduziert und selbst bestätigt.

Abschliessendes Kommentar: Über die Nachricht, dass Gender-Themen in den Designunterricht intergriert werden, freue ich mich sehr. Zu meiner Designstudienzeit waren wir Lichtjahre davon entfernt. Es wurde uns lediglich gesagt, dass die „Frauen“ sicher eine Stelle finden würden, weil Produktdesign ein Männerberuf sei – obwohl „Frauen“ öfter shoppen gehen.