Performance Art

Yolanda Domínguez

Yolandas Website

Becoming an Image

Ich hatte schon einige Ideen dafür, wie ich das „Frau“- oder „Mann“-Werden künstlerisch darstellen könnte. Aber eben nur Ideen und kleine Ansätze zur Umsetzung. Die US-amerikanische Künstlerin Heather Cassils hat den Prozess wie folgt dargestellt: (Marco: Thanks for the link!)

Becoming An Image.

Becoming An Image Performance

Becoming An Image. Performance. Still No. 3, National Theater Studio. SPILL Festival, London, 2013. C-print. 22 x 30 inches. Edition of 5. Photo: Heather Cassils with Manuel Vason.

Post Performance of Becoming.

Post Performance of Becoming

Post Performance of Becoming. An Image, one-half of a collaborative diptych, (London), 2013. C-print. 36 x 25 inches. Edition of 5. Photo: Heather Cassils and Manuel Vason.

Macho Dancer – bring it on!

Das war wohl die beste Performance des Jahres, die ich beim Zürcher Theaterspektakel sehen durfte: der Macho Dance von Eisa Jocson. Die philippinische visuelle Künstlerin und Choreographin setzt sich mit dem in Nachtclubs verbreiteten Pole Dancing und der tänzerischen Dienstleistungsindustrie auseinander. Welche Körperbilder werden dort wie vermittelt? Wer darf beim Tanzen Kaugummikauen? Wer muss wie auf die Knie sinken? Ein Genuss für alle – nicht nur für Transgender-Fans! Das Stück Death of the Pole Dancer ist ebenfalls zu empfehlen.

Peaches, der Film

Film still, Peaches does herself, 2013

Film still, Peaches does herself, 2013

Von der Peaches Film Website „Peaches does herself“ über den Film:

With a cast and crew of over 40 people and 20 plus songs from her back catalogue (The Teaches of Peaches, Fatherfucker, Impeach my Bush, I Feel Cream) Peaches wrote, directed and starred in this fantastical narrative build obscurely around her development as an artist and performer from “bedroom wannabe to fully fledged rock-stardom and beyond!”.

Peaches Does the Drake, Performance, 2013, Toronto

Peaches Does the Drake, Performance, 2013, Toronto

Cindy Sherman und MAC cosmetics

Die Herbstkollektion 2011 von MAC cosmetics, einer kanadischen Make-up Firma, arbeitet, so wird im Internet gemunkelt, mit der amerikanischen Künstlerin Cindy Sherman zusammen. Ist das wahr? Ich glaube es erst, wenn ich die Kampagne in natura in einem Laden sehe oder irgendwo anders im öffentliche Raum darauf aufmerksam werde. Sherman ist für die Auseinandersetzung mit Hollywoodfilmstills und ihre radikale Dekonstruktion der weiblichen Geschlechtsidentität, die mittels dieser Stills verbreitet werden, bekannt (siehe die Serie Untitled Film Stills, 1977–1980). Sie produziert Photographien, in denen sie sich selbst als fiktive Diva inszeniert – mit tonnenweise Make-Up. 

Cindy-Sherman-für-Mac-Cosmetics

Cindy Sherman für Mac Cosmetics

Dass sie sich jetzt für ein Unternehmen selbstporträtiert, um die Verkaufzahlen von Make-Up zu steigern, kann das Unternehmen wohl nicht ernst nehmen, oder? Ich hoffe jedenfalls, dass die Kampagne startet. Sie ist gute Werbung für Cindy! Wäre das so, wie wenn Obama für Osama Werbung machen würde? Sie haben etwas gemeinsam (einen ähnlichen Namen), aber sonst reichlich wenig? Nein, das ist ein blöder Vergleich.

Cindy Sherman MAC cosmetics Kollektion, Herbst 2011

Cindy Sherman MAC cosmetics Kollektion, Herbst 2011


Das Ziel der Zusammenarbeit laut MACs Pressemitteilung ist:
„With the help of props, makeup, prosthetics, wigs and sets, artist Cindy Sherman embodies this Power of Transformation—from off-kilter Hitchcock heroine to fresh corpse, Caravaggio Portrait to Park Avenue Plastic Surgery Maven—all elaborate exercises in trying on different personas. In the campaign we’ve longed forever to conceive, Cindy Sherman for M·A·C created three characters using three different colour stories. We’re living in a time when people of all persuasions have become bolder than ever about the ways they choose to express themselves: with a colourful palette of possibilities, You are the Artist, You are your own Subject, and no matter how fearfully you begin, you become fearless in the process.“
(via)

Cindy Sherman MAC cosmetics Kollektion, Herbst 2011

Cindy Sherman MAC cosmetics Kollektion, Herbst 2011

Funky Visualisierungen von Vagina und Penis

Auf der Website der Künstlerin gibt es noch mehr zu sehen.

Und hier Monsieur. Do you get it? I am not sure…

Gloria in Venedig

Ich habe mich in die Lagunenstadt verschiffen lassen, um auf der diesjährigen Biennale di Venezia, der 54., ausfindig zu machen, was die internationale Kunstwelt derzeit beschäftigt. Nach meinem eintägigen Besuch kann ich festhalten, dass ich 4-5 sehr starken Ideen begegnet bin. Gleichzeitig in den Bann gerissen und äusserst amüsiert haben mich die Arbeiten des Künstlerpaars Allora & Calzadilla. In ihren Worten geht es bei der Repräsentation der USA an der Biennale um „Ironie, Humor und Absurdität“. Ihr Statement soll in Grossbuchstaben erscheinen. Am Eingang des Pavillons liegt ein scheinbar umgestürzter Panzerkampfwagen, auf dessen Gleisketten ein Athlet des US-amerikanischen olympischen „track and field“-Teams auf einer Laufmaschine joggt. In der Vorhalle des Pavillons stehe ich dann vor einer verkleinerten Freiheitsstatue, die eingequetscht wie ein Sandwich, auf einer Sonnenliege ruht. Und von einem Nebenraum her dröhnen schwere Orgeltöne, die später als Begleitmusik von Banktransaktionen eines in eine Orgel, einwandfrei funktionierenden Bankautomaten identifizierbar werden. Die Besucher_innen werden zu Performer_innen, indem sie Geld abheben. Abgesehen von der gelungenen, sehr symbolträchtigen Sprache der einzelen Skulpturen, Installationen und Performanes, hat mich die Interaktion der Körper der Athleten und Athletinnen mit den Objekten interessiert. Diese laufen nicht nur auf umgekippten Panzern, sondern tanzen auch auf und mit Flugzeugsitzen, auf denen sie Spuren wie Schweiss und Abdrücke hinterlassen. Übrigens: Gloria heisst der offizielle Beitrag der USA an dieser Biennale. Hintergründe und -gedanken zu Gloria gibt es hier auf der Website des Indianapolis Museum of Art.

gloria

"Gloria" heisst der US-amerikanische Beitrag an der diesjährigen Biennale von Venedig

Track and Field (2011)

Track and Field (2011)

Armed Freedom Lying on a Sunbed (2011)

Armed Freedom Lying on a Sunbed (2011)

Body in Flight (American) (2011)

Body in Flight (American) (2011)

Und hier das das ganze in Bewegung: Performances von Gloria auf Youtube

Thomas Hirschhorn zeigt Crystal of Resistance im Schweizer Pavillon. Ich habe mich liebend gern im Chaotisch-Panischen seiner Installation verloren und  seine Art des Bezugs auf die gegenwärtigen politischen Widerstände genossen. Massenweise Ohrstäbchen und Kristalle treffen auf ein Spekturm von modernen Alltagsgegenständen – angefangen von Plastikstühlen, über Fersehgeräte und Mobiltelefone bis hin zu ausgehöhlten Schaufenster- und mit Alufolie bedeckten Barbiepuppen. Das ganze Sammelsurium wird mit viel braunem Klebeband zusammengehalten. Im Begleittext spricht Hirschhorn über Kunst als Widerstand und seiner Bejahung des Prekären. Diese Sichtweise auf das Prekäre teile ich gerne, wenn sie mit seiner Aussage, dass das Prekäre kreativ sein kann und die Welt immer aus beidem, positiven und negativen Teilen, besteht, verbunden ist. Ausserdem entzückt mich als studierte Philosophin Hirschhorns Zelebrieren der „Freundschaft“ zwischen Kunst und Philosophie, die er in Form von Diagrammen, Karten und Texten auffächert.

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Crystal of resistance (2011)

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Crystal of resistance (2011)

Crystal of resistance (2011)
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Crystal of resistance (2011)

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Crystal of resistance (2011)

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Crystal of resistance (2011)

Friendship between art and philosophy

Friendship between art and philosophy

Am Ende des Tages, mit müden Beinen und überstimulierten Wahrnehmungsorganen ringend, bin ich noch diesen Werken im Arsenale begegnet:

Ein sehr poetisches Bild, zumal auch etwas makaber, malt ein Künstler aus Haiti (oder der Dominikanischen Republik? Leider habe ich mir zu später Stunde den Titel und den Urheber des Werkes nicht notiert.) mit folgendem Video: ein blinder Mann trägt eine Frau ohne Beine durch die Strassen. Diese Symbiose soll das politische Verhältnis von Haiti und der Dominikansichen Republik repräsentieren.

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Vanessa Beecroft

Vanessa Beecroft

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Vanessa Beecroft

Die Sprache der Erotik nach Carolee Schneemann

Ich lebe am Rand des Rotlichtbezirks von Zürich. Meine täglichen Wege führen mich an Bars und Cabaret-Clubs mit Namen wie „Mephistos Töchter“, „Magnus“ oder „Egoist“ vorbei. Oft streift mein Blick über die Schaukästen vor der Eingangstür, in denen weibliche Körper auf Fotos angepriesen werden. Leicht bekleidet im Bikinihöschen spreizen sie ihre Beine auf einem Stuhl sitzend oder präsentieren mit ihren beiden Händen den Vorbeigehenden ihre nackten Brüste. Die erotische Darstellung, die den Blick stimuliert und den weiblichen Menschen als einfach greifbares Ding vermittelt, ist ein Griff in die Mottenkiste: tausendmal gesehen, nicht sehr originell und schnell umsetzbar ist diese Strategie. Aber wo sind andere Sprachen der Erotik zu finden, die den weiblichen Körper nicht gleichzeitig idealisieren und tabuisieren? Darstellungen, die den Ausdruck von Sexualität ermöglichen, der die Oberflächen durchbricht? Bei meinen Recherchen bin ich auf die Arbeiten der Künstlerin Carloee Schneemann gestossen. Besonders während der 1960er und 1970er Jahre hat sie grosse Vorarbeit auf dem Gebiet der erotischen Bildsprache geleistet. In ihrer „body art“ werden die Dimensionen des nackten Körpers als visuelles Territorium erweitert. Ihr Film „Fuses“ (1964-66) zelebriert die Intensität und ozeanische Qualität des Liebesaktes – übrigens aus der Sicht ihrer Katze Kitch.

Die Dimension der Tiefe, die in „Fuses“ vermittelt wird, bezieht sich nicht nur auf das sexuelle Erleben des Körpers, sondern auch auf die Qualität des Filmes selbst. Das Experimentieren mit dem Medium wird voll ausgereizt: Schneemann kratzt an der Oberfläche des Filmes, malt und zeichnet auf ihm. Der Filmstreifen wird so dicht, dass gewisse Abschnitte nicht gedruckt werden können.Wenn eine Frau in den 1960er Jahren ihre sexuelle Lust lebt, dann ist das ein Skandal. Eine Bedrohung. Während einer Performance von “Meat Joy” (1964) wird sie von einem Zuschauer gewürgt, und die Filmverarbeitungsfirma verlangt ein psychiatrisches Gutachten für jeden Teil von “Fuses”, den sie entwickeln lassen will.

Film ansehen

Fuses. 1964-66, 29:51 min, color, silent, 16 mm film on video

Fuses. 1964-66, 29:51 min, color, silent, 16 mm film on video

Fuses. 1964-66, 29:51 min, color, silent, 16 mm film on video

Meat Joy. Erstmals aufgeführt 1964 auf dem Festival of Free Expression, Paris

Literatur: Carolee Schneemann: Imaging Her Erotics: Essays, Interviews, Projects.MIT Press, Cambridge, Mass. 2003