Philosophie

De-Gendering the Knee

De-Gendering the Knee – Overemphasizing Sex Differences as a Problem und weitere Fallbeispiele für Forschungsarbeiten und Produktentwicklungen, die von gender-sensiblen Richtlinien profitieren sind in dieser Publikation der Europäischen Kommission (online für alle zum Download zugänglich) zu finden:

"Fix the numbers! Fix the institutions! Fix the knowledge!" - Das sind die Grundsätze von Londa Schiebinger, die das naturwissenschaftlicheWissen erneuern können.

„Fix the numbers! Fix the institutions! Fix the knowledge!“ Das sind die 3 Bedingungen von Londa Schiebinger, die das naturwissenschaftliche Wissen erneuern können.

Alle von der EU geförderten Forschungsarbeiten, die im Rahmen von Horizon 2020 mit insgesamt 8 Mrd. Euro finanziert werden, müssen das Thema Gender in ihren Antrag auf Forschungsgelder aufnehmen. Die Projekte, die zur Auswahl für Finanzierungen stehen, werden jeweils von einer Gender-Expertin oder einem Gender-Experten (What is a gender expert?hier kannst du dich jetzt noch als Experte oder Expertin bewerben) begutachtet. Alle eingereichten Projekten müssen zum Thema Gender Stellung nehmen – sei es in Bezug auf die Zusammensetzungen des Forschungsteams, die Forschungsfrage oder das methodische Vorgehen.

Women are less interested in technology?

Women are less interested in technology?

Weitere Fallbeispiele, die in der Publikation erscheinen, sind:
Osteoporosis in Men
Brain Research – Analyzing How Sex and Gender Interact
Pregnant Crash Test Dummies – Rethinking Standards and Reference Models
Textbooks – Rethinking Language and Visual Representation
Heart Disease in Women – Formulating Research Questions
Housing and Neighborhood Design – Analyzing Gender

Gendered Innovations (Website von Londa Schiebinger)
Promoting Gender Equality in Research and Innovation (Website der Europäischen Kommission)

Gloria in Venedig

Ich habe mich in die Lagunenstadt verschiffen lassen, um auf der diesjährigen Biennale di Venezia, der 54., ausfindig zu machen, was die internationale Kunstwelt derzeit beschäftigt. Nach meinem eintägigen Besuch kann ich festhalten, dass ich 4-5 sehr starken Ideen begegnet bin. Gleichzeitig in den Bann gerissen und äusserst amüsiert haben mich die Arbeiten des Künstlerpaars Allora & Calzadilla. In ihren Worten geht es bei der Repräsentation der USA an der Biennale um „Ironie, Humor und Absurdität“. Ihr Statement soll in Grossbuchstaben erscheinen. Am Eingang des Pavillons liegt ein scheinbar umgestürzter Panzerkampfwagen, auf dessen Gleisketten ein Athlet des US-amerikanischen olympischen „track and field“-Teams auf einer Laufmaschine joggt. In der Vorhalle des Pavillons stehe ich dann vor einer verkleinerten Freiheitsstatue, die eingequetscht wie ein Sandwich, auf einer Sonnenliege ruht. Und von einem Nebenraum her dröhnen schwere Orgeltöne, die später als Begleitmusik von Banktransaktionen eines in eine Orgel, einwandfrei funktionierenden Bankautomaten identifizierbar werden. Die Besucher_innen werden zu Performer_innen, indem sie Geld abheben. Abgesehen von der gelungenen, sehr symbolträchtigen Sprache der einzelen Skulpturen, Installationen und Performanes, hat mich die Interaktion der Körper der Athleten und Athletinnen mit den Objekten interessiert. Diese laufen nicht nur auf umgekippten Panzern, sondern tanzen auch auf und mit Flugzeugsitzen, auf denen sie Spuren wie Schweiss und Abdrücke hinterlassen. Übrigens: Gloria heisst der offizielle Beitrag der USA an dieser Biennale. Hintergründe und -gedanken zu Gloria gibt es hier auf der Website des Indianapolis Museum of Art.

gloria

"Gloria" heisst der US-amerikanische Beitrag an der diesjährigen Biennale von Venedig

Track and Field (2011)

Track and Field (2011)

Armed Freedom Lying on a Sunbed (2011)

Armed Freedom Lying on a Sunbed (2011)

Body in Flight (American) (2011)

Body in Flight (American) (2011)

Und hier das das ganze in Bewegung: Performances von Gloria auf Youtube

Thomas Hirschhorn zeigt Crystal of Resistance im Schweizer Pavillon. Ich habe mich liebend gern im Chaotisch-Panischen seiner Installation verloren und  seine Art des Bezugs auf die gegenwärtigen politischen Widerstände genossen. Massenweise Ohrstäbchen und Kristalle treffen auf ein Spekturm von modernen Alltagsgegenständen – angefangen von Plastikstühlen, über Fersehgeräte und Mobiltelefone bis hin zu ausgehöhlten Schaufenster- und mit Alufolie bedeckten Barbiepuppen. Das ganze Sammelsurium wird mit viel braunem Klebeband zusammengehalten. Im Begleittext spricht Hirschhorn über Kunst als Widerstand und seiner Bejahung des Prekären. Diese Sichtweise auf das Prekäre teile ich gerne, wenn sie mit seiner Aussage, dass das Prekäre kreativ sein kann und die Welt immer aus beidem, positiven und negativen Teilen, besteht, verbunden ist. Ausserdem entzückt mich als studierte Philosophin Hirschhorns Zelebrieren der „Freundschaft“ zwischen Kunst und Philosophie, die er in Form von Diagrammen, Karten und Texten auffächert.

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Crystal of resistance (2011)

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Crystal of resistance (2011)

Crystal of resistance (2011)
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Crystal of resistance (2011)

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Crystal of resistance (2011)

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Crystal of resistance (2011)

Friendship between art and philosophy

Friendship between art and philosophy

Am Ende des Tages, mit müden Beinen und überstimulierten Wahrnehmungsorganen ringend, bin ich noch diesen Werken im Arsenale begegnet:

Ein sehr poetisches Bild, zumal auch etwas makaber, malt ein Künstler aus Haiti (oder der Dominikanischen Republik? Leider habe ich mir zu später Stunde den Titel und den Urheber des Werkes nicht notiert.) mit folgendem Video: ein blinder Mann trägt eine Frau ohne Beine durch die Strassen. Diese Symbiose soll das politische Verhältnis von Haiti und der Dominikansichen Republik repräsentieren.

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Vanessa Beecroft

Vanessa Beecroft

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Vanessa Beecroft